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Film: "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" (DVD)



DER ALPENKöNIG UND DER MENSCHENFEIND (DVD)

Medium: (DVD)

Produktion: Österreich, 2009
Studio, Verleih, Vertrieb: Edition Burgtheater
Regie: Leopold Lindtberg
Darsteller: Karoline Aigner, Trude Ackermann, Lona Dubois

Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuschG
Laufzeit: 95 Min
Bildformat: 4:3
Sprachen: Deutsch

Lieferzeit: 5-6 Werktage

 



Filmbeschreibung zu "DER ALPENKöNIG UND DER MENSCHENFEIND" (DVD):
Raimunds "Alpenkönig und Menschenfeind" ist Zaubermärchen und zugleich unterhaltsames Psychogramm: Rappelkopf, in der Vergangenheit von einem Betrüger getäuscht, wird zum Inbegriff des paranoiden Misanthropen. Er quält Tochter, Gattin und Dienstboten mit seinen Anschuldigungen, fürchtet ringsum Verrat und lebensbedrohende Intrige, und flüchtet in eine einsame Köhlerhütte. Seine Familie, wiewohl von Rappelkopfs Misstrauen geplagt, bangt um sein Leben. Der Alpenkönig verspricht Hilfe und bietet Rappelkopf eine maßgeschneiderte Therapie an: Er soll in Gestalt seines Schwagers die Familie besuchen, um sich von deren loyaler Liebe zu überzeugen. Der Alpenkönig selbst wird als Rappelkopf erscheinen, als leibhaftiger Spiegel zur Selbsterkenntnis. Der magische "Ego-Trip" führt zum Erfolg: die Familie ist aufs Neue vereint. Als Draufgabe gibt's noch einen Bilderbuch-Schwiegersohn und Rappelkopfs tatsächlicher Schwager rettet das Vermögen.


Wüssten wir nicht, dass Raimund sich mit seinem Rappelkopf identifizierte, wir könnten diese Identität aus der Arglosigkeit ablesen, mit der er die Misanthropie seines Helden voraussetzt, ohne sich erst die Mühe zu nehmen, sie in ihrer Genese darzustellen. Was Raimund selbstverständlich war, da er es täglich an sich selbst erlebte, der Menschenhass, das hatte auch seinem Publikum selbstverständlich zu sein. Freilich ist Rappelkopf, wie andere Figuren seines Dichters auch, eine Allegorie; zuweilen ist er mehr Menschenhass als Menschenfeind; als Allegorie ist er freilich über jederlei Motivation erhaben. Vorzüglich aber ist er ein "Seelenkranker". Mit dem Rest Allegorie, der sich in ihm verkörpert, gehört Rappelkopf noch dem barocken Theater an; als Seelenkranker schon völlig dem der neueren Zeit.
Einer von Raimunds spärlichen Aphorismen lautet: "Ein tief Gemüt bestimmt sich selbst zum Leid." In diesem Satz wird die Tiefe einer Seele an ihrer Leidensfähigkeit gemessen; ja, geradezu mit ihr gleichgesetzt. Das Leiden, aus dem Plan der göttlichen Vorsehung losgelöst, wird zum Maß der menschlichen Existenz schlechthin. Leid und Größe sind eins; einander bedingend, erfüllen sie einander. Das Ich des Menschen vereinzelt sich und sondert sich ab; Rappelkopfs Flucht in die Wildnis ist nur ein augenfälliges Bühnenbild dieser Isolierung. Sein Menschenhass ist zu guten Teilen Größenwahn. "Alles ist gegen mich", reflektiert er, "und ich tu niemandem etwas. Wenn ich auch manchmal in die Hitz komm, es ist eine schöne Sach, wenn ich ausgeredt hab, ich weiß kein Wort mehr, was ich g'sagt hab." Hier verrät der Menschenfeind einen Mechanismus, der seine Wut auslöst: er schreit, um die eigene Stummheit zu übertönen; und was er da schreit, ist nicht Mitteilung mehr, sondern dient als Ventil; ist aber die Wut abgeklungen, dann lauscht er seiner eigenen Suada nach, nicht mehr begreifend, was den Wahn in ihm erregte.
"Nur einer Zauberei hat es gelingen können, mich von meinem Menschenhass zu befreien", schrieb Raimund unter das Manuskript seines Stückes. Aber der allegorische "Tempel der Erkenntnis", der sich im Finale unvermittelt und barock um die Katastrophe schließt, verklärt diese doch nur mit den Rampenlichtern einer opernhaften Apotheose. Der Alpenkönig ist nun wieder Alpenkönig; der Menschenfeind Rappelkopf; und alles war Scherz nur. War es nur Scherz? "Kinder", sagt Rappelkopf, "ich bin ein pensionierter Menschenfeind."
Der Psychologe Raimund kannte die Menschen und vor allem sich selbst zu genau, um von endgültiger Heilung zu sprechen. So wie ein Offizier im Ruhestand die Uniform ablegt, sein inneres Wesen aber beibehält und bis zum Ende bleibt, was er gewesen, so legt auch Rappelkopf im Finale des Stücks nur seine Rolle nieder; er gibt den anderen Frieden, aber es bleibt äußerst zweifelhaft, ob er ihn selbst gefunden hat. Der "Alpenkönig" ist lediglich in den Augen des Publikums ein "Besserungsstück". Sich selbst konnte Raimund keinen "Tempel der Erkenntnis" vormachen, und so schließt das Stück denn mit einem Satze tiefer Zweideutigkeit, von dem sich nicht sagen läßt, ob der Dichter mit ihm nur sein Publikum vexieren wollte oder auch sich selbst. "Ich hab mich erkannt heut", singt Rappelkopf, "ich weiß, wer ich bin." In dieser Ambivalenz aber wird der Übergangscharakter von Raimunds Theater offenbar. Der "Alpenkönig" ist noch ein Märchen, und schon die Selbstanklage eines modernen, existentiell erschütterten Menschentums. Er hat noch Barock, aber auch schon die Psychologie der Tiefe.

Heinz Politzer



Informationen für Lehrer:

Zielgruppe:

Sek I & II, ab Klasse 9, Erwachsenenbildung



Schulfächer: Deutsch




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4668614

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